Hinweise des
Hessischen Datenschutzbeauftragten: Spam-Problematik.
Was tun gegen unerwünschte E-Mails?
Was ist Spam ?
Spam ist die Bezeichnung für unverlangte E-Mails
(insbesondere Werbung). Die Bezeichnung leitet sich vom
Hauptrequisit eines Monty Python-Sketches (Dosenfleisch, engl.
spiced pork and meat) ab.
Neben der Zeit, die man für das Durchsehen der E-Mails
benötigt, wird nicht unerheblicher Platz im Postfach (und auch
auf der Festplatte) verschwendet.
Wieso gibt es Spam ?
Spam ist möglich, da die Mechanismen (Protokolle), die E-Mail
im Internet transportieren, in ihrer Ursprungsform keine
Benutzeridentifizierungsmechanismen vorsehen. Prinzipiell kann
also jeder, der die entsprechenden Befehle kennt, mit einer
beliebigen (selbst gewählten) Absenderadresse jedem beliebigen
Empfänger über jeden beliebigen E-Mail-Server Post senden.
Warum nimmt Spam so zu ?
Mittlerweile sind Festverbindungen bzw.
Quasi-Festverbindungen (Flatrates) zur Selbstverständlichkeit
geworden. Inhabern einer Flatrate kommt es also nicht mehr
darauf an, die Online-Zeit genau zu kalkulieren. Ob der Rechner
arbeitet oder nicht, kostet das gleiche Geld.
Außerdem sind immer mehr Menschen per E-Mail zu erreichen,
was den potenziellen Empfängerkreis drastisch erweitert.
Ein weiterer Punkt ist der Adresshandel im Internet.
Mittlerweile hat sich – wie im Marketing – ein schwunghafter
Handel mit Mailadressen etabliert.
Als letztes ist ausschlaggebend, das Rechnerkapazitäten immer
größer werden und es immer ausgefeiltere Spam-Programme gibt,
die Spamming "vereinfachen".
Woher stammen die Adressen ?
Als Quellen für Adressen sind zu nennen:
1. Internetseiten
Programme (sog. Roboter) suchen Internetseiten systematisch
nach Adressen (charakteristisch ist das "@"-Symbol) nach
Adressen ab.
Als Betreiber einer Internetseite ist man verpflichtet, im
Impressum Angaben für eine evtl. Kontaktaufnahme vorzuhalten.
Hierzu gehört auch eine Mailadresse, es gibt aber verschiedene
Möglichkeiten, diese vor Robotern zu verschleiern:
o die Adresse wird als Bild in die Seite eingebunden
o JavaScript bietet eine einfache Möglichkeit, die
eigentliche Adresse aus mehreren, für Roboter nicht verwertbaren
Einzelteilen (Variablen) zusammenzufügen
o die Adresse wird nicht aus den eigentlichen Zeichen sondern
aus den "Buchstabencodes" (z.B. entspricht das Leerzeichen " "
in Internetseiten dem Code "%20") zusammengesetzt
Nachteil von vielen solcher Methoden ist aber, dass die
Adresse nicht mehr einfach per Klick in eine E-Mail übernommen
werden kann.
2. Lockangebote
Einige Angebote im Internet, z.B. Gewinnspiele werden nur zu
dem Zweck betrieben, E-Mail-Adressen zu sammeln
Hier hilft eine zweite Adresse weiter (s.u.)
3. Professionelle Adresshändler
Im Internet kursieren diverse Angebote von Adresslisten (z.B.
auf CD), die bereits fertig für Spam-Programme aufbereitet sind.
4. Adressgeneratoren
Teilweise generieren die Spam-Programme auch Adressen nach
dem Zufallsprinzip.
Was können Sie im Vorfeld dagegen tun ?
Kommunikation per E-Mail ist in weiten Bereichen möglich und
teilweise auch nötig.
Möchte man im Internet z.B. an Gewinnspielen teilnehmen,
Adressen in Gästebüchern hinterlassen oder Nachrichten
abonnieren, sollte man sich eine zweite (oder dritte)
E-Mail-Adresse beschaffen. Diese kann für solche Dinge verwendet
werden und – falls sie in eine Spam-Liste gerät – relativ
unproblematisch gegen eine neue ausgetauscht werden.
Die eigentliche Mailadresse sollte man – wie auch
Handynummern (Stichwort: SMS-Betrügereien) oder
Kreditkartennummern – vertraulich behandeln und nur ausgewählten
Personen zugänglich machen.
Sie sind bereits Spam-Opfer !
Als Opfer von Werbemüll kann man als radikalstes Mittel
natürlich die Mailadresse wechseln. Da noch frei verfügbare
"sprechende" Adressen aber mittlerweile selten sind und man als
Nutzer nicht immer nur als "Nummer" auftreten möchte, sollte man
diesen Schritt als letztes Mittel verwenden.
Viele Mailprogramme bieten sog. Regel- oder Filterfunktionen
an. Diese kann man nutzen, um selbst Mails nach Schlagworten zu
durchsuchen und verdächtige Mails z.B. aus dem Posteingang in
einen separaten Postfachordner zu sortieren. Dieser muss dann
natürlich von Zeit zu Zeit durchgesehen und bereinigt werden, da
die Spam-Mails den verfügbaren Festplattenplatz einschränken.
Mittlerweile sind auch Programme gegen Spam auf dem Markt
verfügbar. Diese filtern die eingehende Post beim Abholen vom
Server nach Spam-typischen Kriterien (z.B. numerische
Absenderadresse, typische Schlagworte oder Phrasen), arbeiten
also prinzipiell wie die vorher beschriebenen Regeln und Filter.
Es gibt weiter einige Produkte, die verteilt in Netzen
arbeiten (Informationen aus der eingehenden E-Mail werden an
zentrale Server übermittelt und dort ausgewertet; einmal als
Spam identifizierte E-Mails sind damit für alle Teilnehmer
sofort auch als Spam erkennbar). Da hier u. U. auch persönliche
Daten übers Netz gehen, sollte man sich die Nutzung solcher
Dienste gut überlegen.
E-Mail-Diensteanbieter haben die Problematik mittlerweile
auch erkannt und bieten teilweise Filter für das Postfach auf
dem Server an. Unter anderem ist es bei vielen Diensteanbietern
nicht mehr möglich, Mails zu versenden ohne vorher seine
eingegangenen Mails vom Server abzurufen. Diese Funktion
erfordert Benutzername und Passwort, man muss sich dem Server
gegenüber also zuerst authentifizieren, bevor man die "anonymen"
Versandfunktionen nutzen kann. Dieses Verfahren wird als "SMTP
after POP" bezeichnet (SMTP – Simple Mail Transfer Protocol ist
das Verfahren zum Versand von E-Mails, POP(3) – Post Office
Protocol Version 3 das Verfahren zum Abrufen von Mails vom
Server).
Für Organisationen, die eigene Maildienste betreiben gibt es
sowohl kommerzielle als auch kostenfreie Filterprogramme, die in
der Lage sind, eingehende E-Mails zu untersuchen und
(vermeintliche) Spam-Mails zu kennzeichnen oder zu löschen.
Was sollten Sie auf gar keinen Fall tun ?
Spam-Mails beinhalten meist einen Link, um sich aus der
vermeintlichen Mailingliste, in der man sich befindet, wieder
auszutragen ("Klick here to unsubscribe").
Dies sollte man auf gar keinen Fall tun. Auch eine sonstige
Antwort an den Spam-Versender sollte man unterlassen.
Entweder verwenden Spammer Absenderadressen , die sie nach
dem Spamming wieder aufgeben – Ihre Antwort erreicht (und
interessiert) den Spammer nicht oder der Spammer leitet aus
Ihrer Antwort ab, dass er auf eine gültige Adresse gestoßen ist
(die sich z.B. gewinnbringend weiterverkaufen lässt).
Was können Sie tun ?
Ausschlaggebend hierbei ist natürlich der Sitz des Absenders.
Kommt die Spam-Mail aus dem Ausland, bestehen wenig
Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun.
Bei Spam aus Deutschland kann man den Betreiber des
Mail-Servers, über den Spam versandt wird (dieser lässt sich aus
den sog. Kopfzeilen der E-Mail, in denen sich Informationen über
den Weg der Mail im Internet befinden, ermitteln) auffordern,
Spamming über seine Rechner zu unterbinden (Abschalten des sog.
"Relaying", d.h. der Server akzeptiert nur noch Mailadressen,
die an seine Adresse gerichtet sind. Der "beliebige" Versand an
alle möglichen Adressen (s. oben) ist damit nicht mehr möglich).
Wo finden Sie weitere Hilfe?
Ignoriert der Serverbetreiber (in Deutschland) solche
Mitteilungen, helfen die Aufsichtsbehörden oder die
Datenschutzbeauftragten der Länder (Zuständig ist immer die für
den Sitz des Serverbetreibers zuständige Aufsichtsbehörde).
Analog zur Robinson-Liste gegen Werbepost existiert eine
solche Liste auch für E-Mail-Adressen. Seriöse Firmen in
Deutschland werden diese Liste sicherlich beachten, einen
Spammer halten sie aber in den wenigsten Fällen ab, eine Adresse
auf dieser Liste zu verwenden.